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Frühe Gentrifizierung in Antwerpen? Zum Nutzen historischer Sozialdaten für die Stadtgeschichte

Von Sebastian Haumann

Die Daten, die Sozialwissenschaftler*innen seit den 1960er Jahren massenhaft erhoben haben, sind ein herausfordernder, aber lohnender Quellentyp für die Stadtgeschichte. Der wird aber bisher selten genutzt. Dabei kann die sogenannte Sekundäranalyse von Sozialdaten zu überraschenden Einsichten in die Veränderungsprozesse führen, die die Städte im späten 20. Jahrhundert prägten – wie zum Beispiel die Gentrifizierung. Wie in vielen anderen europäischen und amerikanischen Städten, verwandelten sich auch in der belgischen Stadt Antwerpen irgendwann zwischen 1970 und 2000 ehemals arme und heruntergekommene Stadtteile nahe des Zentrums in angesagte Ausgeh- und Wohnviertel mit zahlreichen Restaurants, Galerien und Geschäften der „creative economy“. In vielen Fällen ist aber unklar, wann genau und wie dieser Prozess einsetzte. Das umfassende Datenmaterial einer sozialwissenschaftlichen Studie über soziale Ungleichheit in Antwerpen aus den frühen 1980er Jahren kann helfen, darauf eine Antwort zu finden.

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Migration bewegt die Stadt – und das Archiv!

 Von Philip Zölls

Schon 1972 verkündete der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel: „München ist Einwanderungsstadt.“1 Diese Erkenntnis spiegelt sich allerdings nicht in der historischen Stadtforschung wider, denn blickt man in die Veröffentlichungen zur Münchner Geschichte wird deutlich, dass die Migrationsgeschichte bislang wenig bis gar keine Berücksichtigung in stadtgeschichtlichen Geschichtsbüchern fand. Ein Grund dafür ist die geringe Quellenlage zur Migrationsgeschichte in den Archiven. Das Stadtarchiv München bemüht sich seit 2015 diese Lücke zu schließen und aktiv Quellen von Migrant*innen, migrantischen Vereinen oder Akteur*innen der Migration zu übernehmen.

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  1. Vogel, Hans-Jochen: Die Amtskette. Meine 12 Münchner Jahre. München 1972. []

Neue Quellen braucht die Stadt!

Von Vivienne Marquart

Lebensgeschichtliche Interviews sind wichtige Quellen in der Migrationsgeschichte. Sie geben die Erfahrungen von Migrant*innen unmittelbar wieder und stellen deren individuelles Erleben in den Fokus. Diese persönlichen Zeugnisse sind eine wertvolle Ergänzung zum Bestand schriftlicher Überlieferungen in den städtischen Gedächtnisinstitutionen und ermöglichen eine umfassende Perspektive auf Stadtgeschichte. Wie aber entstehen diese Quelle und wie werden sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht? Welche Schwierigkeiten und Chancen liegen in der Produktion dieser neuen Quellen?

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Auf der Suche nach den „Gütersloher Spezialitäten“. Partizipative Ansätze in der Stadtgeschichtsforschung

Von Joana Gelhart

Wie lässt sich das Image einer Stadt aufpolieren? Ende der 1970er Jahre antwortete der Gütersloher Verkehrsverein auf diese Frage mit einem Wettbewerb, aus dem stadt- und regionaltypische Gerichte hervorgehen sollten. Die sogenannten „Gütersloher Spezialitäten“ reihten sich letztlich zwar nicht neben Dresdner Stollen und Wiener Würstchen ein, als Forschungsgegenstand sind sie indes umso interessanter. Doch wie lässt sich das Thema bearbeiten, wenn die klassischen Quellen fehlen? Das Anfang 2022 gestartete Projekt zur Stadtgeschichte Güterslohs verfolgt dazu einen partizipativen Ansatz – von dem sowohl Historiker*innen als auch die Stadtgesellschaft profitieren sollen. Dieser Beitrag berichtet von der gemeinsamen Suche nach der Geschichte der kuriosen Speisen und stößt auf Fragen nach dem Gewinn, den Hürden und der eigenen Rolle als Historikerin in der Zusammenarbeit mit den Bürger*innen – ein Werkstattbericht.

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Jena als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort – Ein Blick in die Ausstellung zur Stadtgeschichte Jenas 1945-1971

von Kathrin Meißner und Teresa Thieme

In den letzten Jahren befindet sich das Stadtbild Jenas einmal mehr im Wandel, denn es wird gebaut. Kräne, Baustellen und Umleitungen zeichnen vor allem die Silhouette der Innenstadt. Gegenwärtig werden zahlreiche Großprojekte in unmittelbarer Zentrumsnähe vorbereitet und umgesetzt, die den Thüringer Universitäts- und Wirtschaftsstandort noch moderner und attraktiver machen sollen.1 Dass diese stadtplanerische wie stadtpolitische Ambition nicht erst jetzt Relevanz erhält, zeigt die Sonderausstellung „Auferstanden aus Ruinen. Jenas Wiederaufbau zwischen ‚verlorener‘ Mitte und ‚neuen Wohnkomplexen‘ 1945–1971“. Sie beleuchtet die Transformationen der Nachkriegsjahrzehnte, welche das Stadtbild und die Stadtidentität bis heute prägen. Die Ausstellung knüpft an die Themen der 2011 präsentierten Ausstellung „Bauen und Wohnen in Jena. Konturen, Konflikte und Kontinuitäten 1871–1945“ an, insbesondere an das Problem der Wohnungsnot in der aufstrebenden Industrie- und Wissenschaftsstadt und an das Werden der Großstadt Jena. Sie kann vom 24. September bis 16. Januar 2022 im Stadtmuseum Jena besucht werden.2

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Oberhausen, Aufbruch macht Geschichte. Stadtentwicklung und Strukturwandel von 1847 bis 2006

Von Magnus Dellwig

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) förderte von 2018 bis 2020 das Projekt „Stadtentwicklung und Strukturwandel in Oberhausen in historischer Perspektive von 1847 bis 2006“ des Stadtarchivs Oberhausen, das 2020 in der Ausstellung „Oberhausen. Aufbruch macht Geschichte“ im Schloss Oberhausen gipfelte. Den Impuls zu dem Projekt gab die Notwendigkeit zur Aufarbeitung umfangreicher Erschließungsrückstände, die insbesondere während der Umzugsperiode des Stadtarchivs von 2011 bis 2015 angefallen waren. Weitere Ziele des Projektes bildeten die Vermittlung der Geschichte von Stadtentwicklung und Strukturwandel an eine breite Öffentlichkeit sowie die Anregung zu Forschungsaktivitäten.

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Altstadtverfall und lokales politisches Engagement zwischen Greifswald und Leipzig. Archiv- und Forschungsperspektiven

Von Anja Schröter

Altbauviertel prägen heute das Bild vieler Städte und steigern ihre Attraktivität. Sie sind oft Anziehungspunkte für Besucher*innen, aber vor allem nachgefragte Wohngegenden. Doch das war nicht immer so. Gerade in der DDR verfielen die Altstädte zusehends, Neubauten – vor allem als „Platte“ bekannt – boten häufig mehr Anreize hinsichtlich Komfort und Infrastruktur. Dennoch fanden sich gerade im Laufe der 1980er Jahre vermehrt Menschen, die sich in der SED-Diktatur entgegen der neubauorientierten Planungspolitik des Regimes für den Altstadterhalt einsetzten und sich darüber vor Ort in den politischen Willensbildungsprozess einbrachten.

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Eine interaktive Website zum Kampf gegen den Altstadtverfall in der DDR – www.stadtwende.de

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Stadtwende-Verbundprojekt erforscht an vier verschiedenen Standorten die Diskussionen und den Kampf gegen den Altstadtverfall in der DDR. In diesem Zusammenhang entstand eine Website, welche die verschiedenen Teilbereiche des Projektes darstellt und sie für breite Kreise von Interessierten erfahrbar macht. Zudem dient die Website als Werkzeug für die beteiligten Wissenschaftler:innen und weitere Forschungsvorhaben. Der vorliegende Beitrag gibt einen Einblick in die Konzeption der Webseite zur Stadtwende und eine inhaltliche Beschreibung der aufgenommenen Daten und ihrer Darstellung.

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Angewandte (Stadt-)Geschichte. Der Beruf der Stadthistorikerin

Stadtgeschichte boomt. Zwar werden stadthistorische Forschungsergebnisse selten breit rezipiert und eher als Spezialgebiet wahrgenommen, dennoch gewinnt der Begriff an Bedeutung zur Bezeichnung eines forschungsnahen Berufsfeldes jenseits einer akademischen Karriere. Wer „Stadthistoriker“ in eine Suchmaschine eingibt, findet ein Potpourri an unterschiedlichen Aufgaben und Rahmenbedingungen, in deren Kontext Personen als Stadthistoriker*in bezeichnet werden. Öffnet sich hier für Historiker*innen eine Berufsperspektive? Und welche Aufgaben und Herausforderungen sind mit einer solchen Stelle verbunden? Einblicke in die „Werkstatt“ einer Stadthistorikerin.

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